Hängematten sind längst als Entspannungsmöbel für zu Hause und unterwegs in unserem Alltag angekommen. Die Frage: „Woher stammt die Hängematte?“ können aber tatsächlich nur die wenigsten beantworten. Während die Abenteuergeschichten von Huckeberry Finn glauben lassen, die Hängematte hätte ihren Ursprung in den ländlichen USA, ist die Realität noch spannender. Also, woher stammt die Hängematte?

Hängematte: Herkunft und Ursprung aus grauer Vorzeit

Die Hängematte ist keine Schöpfung der USA und schon gar keine aus der Moderne. Mit Nordamerika liegt man aber gar nicht so falsch, denn der Ursprung der sogenannten „Hamaca“ liegt in Mittelamerika. Vor über 1.000 Jahren siedelte dort, auf der Halbinsel Yucatán im heutigen Mexico, das Volk der Maya. Als bekennende Hochkultur haben uns die Maya dort zahlreiche Ruinen von Wohngebäuden und Tempelkomplexen hinterlassen.

Dieses Bild zeigt einen Bauten der Ureinwohner Amerikas

Unter anderem durch Symbolinschriften wissen wir, dass die Ureinwohner Mexikos schon in Hängematten schliefen. Die typische Hängematte der Indianer bestand jedoch aus einem Netzgewebe – und nicht wie heute meist einer Stoffbahn. Forscher vermuten allerdings, dass sich aus den Netzhängematten im Laufe der Zeit die uns bekannten Stoffhängematten entwickelten. Der Clou hinter dieser Erfindung war genial.

Dieses Bild zeigt eine Schlange

Durch das Schlafen in erhöhter Position waren die Bewohner vor giftigen Tieren und Raubtieren weitgehend geschützt. Gleichzeitig war der hohe Schlafplatz bequemer und sorgte für einen besseren Luftaustausch. Bei den schwül-warmen Wetter-Verhältnissen Mittelamerikas war die Hängematte also auch ein Hitzeschutz.

Fun-Fact:

Man geht davon aus, dass die Netzhängematte von vielen indigenen Völkern der Region parallel als Fischernetz verwendet wurde. Außerdem ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Netzhängematte ursprünglich von einem cleveren Fischer erfunden wurde.

Dieses Bild zeigt einen Fischer mit einem Fischernetz

Hängematte: Wortherkunft und Ursprung

„Woher kommt das Wort Hängematte?“ Diese Frage ist durchaus berechtigt, denn die alten Maya hatten sicherlich einen völlig anderen Begriff, der nicht im Entferntesten an den europäischen Begriff erinnert.

Ein ähnliches Wort taucht erstmals in den Aufzeichnungen des Entdeckers und Seefahrers Christoph Kolumbus auf. Im Rahmen einer seiner Entdeckungsfahrten nach Amerika, spricht er am 17. Oktober 1492 erstmals davon, dass die Ureinwohner in einer Art „hängendem Netz aus Wolle“ schlafen. In einem Eintrag vom 3. November 1492 bezeichnet Kolumbus diese Schlafstätten schließlich als „hamacas“.

Dieses Bild zeigt eine altes Schiff auf See

Daraus leitete sich im Altdeutschen ab dem Jahr 1529 das Begriffspaar „Hamaco“ bzw. „Hamach“ ab. Im Englischen („hammock“) und Französischen („hamac“) ist die Wortherkunft aus den Zeiten von Kolumbus noch immer zu erkennen. Im Deutschen entwickelte sich aus „Hamach“ schließlich der Begriff „Hängematte“ – höchstwahrscheinlich aufgrund des zu fremd klingenden Ursprungswortes.

Mit Kolumbus über den Großen Teich nach Europa

Wir haben es vorweggenommen: Der vorherrschenden Lehrmeinung nach, erreichte die Hängematte mit den Segelschiffen der Entdecker die Alte Welt. Da man die neuartigen Schlafplätze bereits an Bord der Großsegler ausprobiert hatte, blieben sie dort auch über viele Jahrhunderte als Schlafplatz in Verwendung.

Dieses Bild zeigt eine Karte vom atlantischen Ozean

Schon von englischen Freibeutern ist bekannt, dass diese bei ihren Kaperfahrten in der Karibik ab 1589 in Netzhängematten schliefen. In Schiffs-Inventarlisten wurden diese häufig auch als „Brasil-Betten“ geführt. Fortan verbreiteten sich die Hängematten. Dabei wurden die Netzvarianten zusehens durch Hängematten aus, ohnehin auf Schiffen verfügbarem, Segeltuch ersetzt.

Dieses Bild zeigt einen Freibeuter, der früher schon in einer Hängematte geschlafen hat

Noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war die Hängematte vor allem als Schlafplatz für Matrosen nicht von den Weltmeeren wegzudenken. Ihren guten Ruf hatte die Hängematte gleich mehreren Vorteilen zu verdanken:

Vorteile einer Hängematte auf See
    • Natürliche Isolation gegen Kälte, die vor allem nachts durch das kühle Meerwasser an den Schiffsrumpf abgegeben wird.
    • Hängematten ändern ihre Lage mit der Ausrichtung des Schiffs. Aus dem Bett fallen war damit so gut wie unmöglich.
    • Hängematten konnten tagsüber – anders als Betten – einfach abgehangen und platzsparend verstaut werden.
    • Im Notfall diente so manche Hängematte – dank guter Schwimmfähigkeit – verschnürt als Behelfs-Rettungsmittel.
    • Hängematten konnten sowohl auf See als auch bei kurzen Landgängen auf einsamen Inseln mit wenig Materialaufwand repariert oder hergestellt werden.

War die Hängematte schon in der Antike in Europa bekannt?

Einige Forscher gehen davon aus, dass die Hängematte nicht erst mit den Entdeckern aus der Neuen Welt nach Europa gekommen ist. Laut dem Geschichtsschreiber Plutarch sollen Hängematten im Mittelmeerraum bereits seit mindestens dem 5. Jahrhundert v. Chr. bekannt gewesen sein.

Dieses Bild zeigt eine antike Stadt

Laut Plutarch geht die Erfindung auf den, aus Athen stammenden, Feldherren Alkibiades (gestorben 404 v. Chr.) zurück. Dieser soll sein Bett auf einer Galeere an mehreren Seilen an die Decke gebunden und damit quasi das Hängebett in Europa erfunden haben. Aus Mangel an Quellen aus dieser Zeit, lässt sich dieser Hergang weder bestätigen noch ausschließen.

Die Hängematte heute: Massenfertigung für Massenkomfort

Mittlerweile hat sich das Image der Hängematte gewandelt. Vom zweckmäßigen Schlafplatz ist sie vor allem in Europa und den USA zu einem Entspannungsort geworden. Der Anstoß zur Massenfertigung der Hängematten kam Ende der 1950er- bzw. Anfang der 1960er-Jahre. Damals konnte Baumwolle durch neue Produktionsverfahren deutlich günstiger produziert werden, was sie für jedermann erschwinglich machte.

Dieses Bild zeigt eine Frau, die in einer Hängematte entspannt

Während die Hängematte sowohl in Europa als auch den USA beinahe nur zur zeitweisen Entspannung und als Schlafplatz beim Campen genutzt wird, dient sie in den tropischen Regionen Asiens immer häufiger als vollwertiger Schlafplatz. Wie groß der Stellenwert der Hängematte bereits ist, kannst du daran erkennen, dass sie mit dem „Tag der Hängematte“ am 22. Juli sogar einen eigenen Feiertag hat.

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